Strategien zur digitalen Transformation in Gesundheitseinrichtungen

von Viktoria Redl

Strategien zur digitalen Transformation in Gesundheitseinrichtungen

Die digitale Transformation im Gesundheitswesen ist längst mehr als ein Schlagwort. Sie beschreibt nicht nur den Einsatz neuer Technologien, sondern einen umfassenden Wandel von Prozessen, Organisationsstrukturen und Kultur. Für das Pflegemanagement bedeutet das: Digitalisierung verändert nicht nur die IT-Abteilung, sondern den gesamten Arbeitsalltag von Pflegeteams und Führungskräften. Ziel ist es, die Patient:innenversorgung nachhaltig zu verbessern, Arbeitsbedingungen zu erleichtern und Innovationen sinnvoll nutzbar zu machen.

 

Begriffsklärung

Die digitale Transformation im Gesundheitswesen beschreibt den systematischen Einsatz digitaler Technologien, um die Effizienz, Zugänglichkeit und Qualität von Gesundheitsdienstleistungen deutlich zu verbessern. Im Kern bedeutet sie die Integration innovativer IT-Lösungen in alle Bereiche der Versorgung – von der Prävention, Diagnose und Behandlung bis hin zur Verwaltung und Forschung. Wesentliche Komponenten sind elektronische Patient:innenakten (ePA), Telemedizin, IoT-basierte Patient:innenüberwachung, KI-gestützte Systeme und digitale Gesundheitsanwendungen wie DiGAs.
Das Ziel der digitalen Transformation ist die Optimierung der Patient:innenerfahrung, Prozessverbesserung und eine personalisierte, patient:innenzentrierte Versorgung. Zudem eröffnet sie durch Big Data und neue Analyseverfahren für Gesundheitsdaten innovative Wege, um Forschung und Entwicklung effizienter zu gestalten.

 

Digitale Transformation: Mehr als Technik

Ein häufiges Missverständnis ist, Digitalisierung auf die Einführung neuer Tools oder Software zu reduzieren. In der Praxis zeigt sich jedoch: Der Erfolg hängt weniger von der Technik als vielmehr von Organisation, Kultur und Führung ab. Mitarbeitende müssen überzeugt sein, dass digitale Lösungen eine Entlastung bringen. Führungskräfte wiederum sind gefordert, die Transformation klar strategisch zu positionieren und als Teil einer umfassenden Vision zu vermitteln. Ebenso wichtig ist es, organisatorische Anpassungen vorzunehmen, neue Rollen und Verantwortlichkeiten zu klären und so die Grundlage für eine nachhaltige Veränderung zu schaffen.

 

Elemente einer erfolgreichen Strategie

Damit digitale Transformation gelingen kann, braucht es eine durchdachte Strategie. Diese umfasst mehrere zentrale Bausteine:
Eine klare Vision gibt Orientierung und schafft ein gemeinsames Verständnis darüber, warum Digitalisierung notwendig ist und welchen Nutzen sie bringt. Darauf aufbauend hilft eine Roadmap, konkrete Ziele, Etappen und Prioritäten festzulegen.
Zentral ist außerdem ein aktives Change Management, das die Mitarbeitenden mitnimmt, Ängste abbaut und Kompetenzen fördert. Ebenso braucht es Governance-Strukturen, die Verantwortlichkeiten, Entscheidungswege und Regeln für den Umgang mit Daten und Künstlicher Intelligenz definieren. Schließlich darf die Ressourcenplanung nicht unterschätzt werden: Digitalisierung erfordert nicht nur technisches Budget, sondern auch Zeit und personelle Kapazitäten für Schulungen, Prozessanpassungen und eine kontinuierliche Pflege der Datenqualität.

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Treiber und Barrieren

Die digitale Transformation im Gesundheitswesen wird von unterschiedlichen Faktoren vorangetrieben. Dazu zählen finanzielle Förderprogramme, gesetzliche Vorgaben wie der EU AI Act oder nationale eHealth-Strategien, aber auch die Aussicht auf verbesserte Patient:innensicherheit und effizientere Abläufe.

Auf der anderen Seite stehen Hindernisse wie begrenzte finanzielle und personelle Ressourcen, fehlende digitale Kompetenzen oder Skepsis in den Teams. Datenschutz- und Haftungsfragen können ebenfalls als Barriere wirken. Gerade deshalb braucht es ein klares Bewusstsein für diese Spannungsfelder, um Chancen zu nutzen und Hürden gezielt anzugehen.

 

Pflegefokus: Rolle von Pflegedirektion und Pflegeteams

Im Mittelpunkt der digitalen Transformation steht das Pflegemanagement. Die Pflegedirektion übernimmt dabei eine zentrale Rolle: Sie ist dafür verantwortlich, Digitalthemen in die strategische Ausrichtung der Einrichtung einzubetten und die pflegerische Perspektive in Führungsgremien einzubringen.

Gleichzeitig sind die Pflegeteams entscheidend für den Erfolg digitaler Projekte. Sie verfügen über die praktische Expertise, kennen die Abläufe, Probleme und Bedarfe im Alltag. Werden sie frühzeitig eingebunden, können digitale Lösungen praxisnah entwickelt und erfolgreich implementiert werden. Besonders wirkungsvoll ist es, wenn Pflegekräfte als „Digitallots:innen“ oder Multiplikator:innen agieren und so Brücken zwischen Technik und Praxis schlagen.

 

Beispiele aus Österreich und Europa

Ein Blick auf europäische Beispiele zeigt, wie unterschiedlich, aber auch wie strategisch abgestimmt die Digitalisierung im Gesundheitswesen umgesetzt wird. In Österreich nimmt die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) eine zentrale Rolle ein: Sie ermöglicht die Datenintegration zwischen verschiedenen Versorgern und wird im Rahmen der nationalen E-Health-Strategie 2024 weiterentwickelt. Neben einer stärkeren Einbindung von Wahlärzten und digitalen e-Card-Services sind auch vorbereitende Maßnahmen für den European Health Data Space (EHDS) vorgesehen. Ergänzend wird ein standardisiertes „Patient Summary“ eingeführt, und digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) sollen zunehmend verschreibbar und erstattungsfähig werden. Die strategische Digitalisierungsroadmap der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) bindet dabei relevante Stakeholder ein und baut auf Projekten wie der Notfallnummer 1450 oder sektorübergreifenden Kodierungsinitiativen auf.

In Deutschland geben gesetzliche Rahmenwerke wie das Digitalgesetz (DigiG) und das Gesetz zur verbesserten Nutzung von Gesundheitsdaten (GDNG) den Takt vor. Zentrale Ziele sind die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) für alle gesetzlich Versicherten und die forschungsfreundliche Nutzung von Gesundheitsdaten. Ergänzend werden Innovations- und Förderfonds wie der Krankenhauszukunftsfonds eingesetzt, um digitale Projekte gezielt zu unterstützen. Auch technologische Initiativen im Bereich Internet of Things (IoT) treiben die Effizienz in Krankenhäusern voran – etwa durch smarte Sensorik zur Bettenbelegung, Echtzeit-Ortung von Geräten oder automatisierte Materialwirtschaft.

Die Schweiz verfolgt ähnliche Ansätze mit einem besonderen Fokus auf Interoperabilität und Datenschutz. Nationale Strategien fördern hier den Aufbau elektronischer Gesundheitsplattformen und die Digitalisierung von Spitälern.

Ein besonders lehrreiches Beispiel liefert Skandinavien, insbesondere Dänemark, wo Digitalisierung konsequent als Bestandteil einer nationalen Gesundheitsstrategie verstanden wird. Dort werden Pflegeteams und andere Berufsgruppen von Beginn an aktiv in die Entwicklung und Umsetzung digitaler Lösungen eingebunden – ein entscheidender Erfolgsfaktor für Akzeptanz und Nachhaltigkeit.

 

Land / Region Zentrale Maßnahmen & Strategien
Österreich – Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) als zentrale Plattform
– Ausbau 2024: Einbindung von Wahlärzten, e-Card-Services, EHDS-Vorbereitung
– Einführung „Patient Summary“ als Standarddokument
– Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) verschreibbar/erstattungsfähig
– Nationale E-Health-Strategie 2024 mit Roadmap, Stakeholder-Beteiligung und Projekten wie 1450-Hotline
Deutschland – Digitalgesetz (DigiG) & Gesundheitsdatennutzungsgesetz
– Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) für alle Versicherten
– Förderung durch Innovationsfonds & Krankenhauszukunftsfonds
– IoT-Initiativen: smarte Sensorik, Wearables, Echtzeit-Ortung, automatisierte Materialwirtschaft
Schweiz – Nationale E-Health-Strategien mit Fokus auf Interoperabilität & Datenschutz
– Aufbau elektronischer Gesundheitsplattformen
– Digitalisierungsvorhaben in Spitälern
Skandinavien (Dänemark) – Digitalisierung fest in nationaler Gesundheitsstrategie verankert
– Frühe und aktive Einbindung von Pflegeteams
– Vorreiterrolle durch konsequente Umsetzung und hohe Akzeptanz

 

 Fazit

Digitale Transformation in Gesundheitseinrichtungen gelingt nur, wenn Technik, Organisation und Kultur zusammengedacht werden. Für das Pflegemanagement bedeutet das, aktiv zu gestalten, Chancen für Entlastung und Qualitätssteigerung zu nutzen und die Bedürfnisse der Pflegeteams konsequent in den Mittelpunkt zu stellen.

Erfolgreiche Digitalprojekte zeichnen sich nicht durch die Einführung der neuesten Tools aus, sondern dadurch, dass sie als gemeinsamer Weg verstanden werden – getragen von einer klaren Vision, realistischen Schritten und einer starken Einbindung der Pflege. So kann Digitalisierung dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung zukunftsfähig und menschlich zugleich zu gestalten.

 

PRAEVENIRE_Jahrbuch_2023-24_ES_web.pdf

Digitalisierung im Gesundheitswesen | BMG

Digitalisierung im Krankenhaus: Mehr Effizienz und Patientenwohl | Vention

 

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