Pflege neu definiert – was die ICN-Definition für Pflegeinformatik bedeutet

von Viktoria Redl

Pflege neu definiert – was die ICN-Definition für Pflegeinformatik bedeutet

Die Profession „Pflege“ befindet sich im Wandel – technologisch, organisatorisch und gesellschaftlich. Mit der im Juni 2025 veröffentlichten neuen Definition der International Council of Nurses (ICN) wird das Berufsbild nun global neu positioniert: Pflege wird stärker als autonome, wissenschafts- und technologiegestützte Profession verstanden, die aktiv Gesundheit gestaltet. Für die Pflegeinformatik, die digitale Transformation im Gesundheitswesen und das Zusammenspiel von Mensch, Technik und Organisation bedeutet dies wichtige Impulse.

 

Hintergrund

Bisherige Definitionen der Pflege – zuletzt überarbeitet im Jahr 2002 – konnten mit den schnellen Entwicklungen im Gesundheitswesen nur begrenzt mithalten: zunehmende Komplexität, technologische Innovationen, neue Versorgungsmodelle und veränderte Rollenpfade der Pflegefachpersonen machten eine Aktualisierung notwendig.

Die ICN hat einen weltweiten Konsultationsprozess gestartet, Pflegefachpersonen und wissenschaftliche Expert:innen beteiligt, um eine Definition zu schaffen, die global gültig ist und lokale Differenzierungen zulässt.

 

Was sagt die neue Definition?

Kurz zusammengefasst beschreibt die neue Definition:

  • Pflege ist eine eigenständige Profession, wissenschafts- und wissensbasiert, personenzentriert und sozial gerecht.
  • Pflege umfasst Förderung von Gesundheit, Verhütung von Krankheit, Versorgung, Rehabilitation, Palliativ-Begleitung und Beteiligung an Gestaltung von Gesundheitssystemen.
  • Pflegefachpersonen sind qualifizierte, registrierte Fachkräfte, die in direkter Versorgung tätig sind und Verantwortung übernehmen – von Pflegepraxis bis Forschung, Management und Politik.
  • Der neue Rahmen betont kulturelle Sensibilität, soziale Gerechtigkeit, nachhaltige Ressourcennutzung und Teilhabe – Pflege wirkt über das unmittelbare Setting hinaus.

 

Bedeutung für Pflegeinformatik & digitale Transformation

Für den Bereich Pflegeinformatik ergeben sich daraus mehrere Implikationen:

  1. Erweiterte Rollen und Kompetenzen
    Die Definition macht deutlich, dass Pflegefachpersonen zunehmend in komplexeren Rollen agieren – nicht nur als ausführende Kraft, sondern als Mitgestalter:innen. Damit wachsen die Anforderungen an digitale Kompetenzen: Dokumentationssysteme, Datenanalyse, systemische Mitwirkung und Evaluation werden wichtiger.
  2. Digitale Dokumentation und Wissensmanagement
    Wenn Pflege als wissenschafts- und wissensbasierte Profession definiert wird, wird die Qualität und Verfügbarkeit von Daten zentral: Elektronische Pflegedokumentation, interoperable Systeme und Pflegeklassifikationen gewinnen an Bedeutung. Pflegeinformatik muss daher Prozesse, Terminologien (z. B. Pflegediagnosen, Interventionen, Outcomes) und Datenqualität stärker in den Fokus rücken.
  3. Technologie- und Datenethik
    Der verbindliche Hinweis auf soziale Gerechtigkeit, kulturelle Sensibilität und Nachhaltigkeit verpflichtet: Digitale Lösungen in der Pflege müssen inklusiv, nutzerzentriert und ressourcenschonend sein. Pflegeinformatik-Projekte sollten Werte wie Zugangs-, Daten- und Nutzungsgerechtigkeit berücksichtigen.
  4. Interdisziplinäre und systemische Perspektive
    Pflege wird nicht mehr nur in der unmittelbaren Patientenversorgung gedacht, sondern als Teil des gesamten Gesundheitssystems. Das eröffnet für Pflegeinformatik Schnittstellen zu Versorgungsmanagement, Gesundheitspolitik, Qualitäts- und Forschungsdaten. Systeme müssen nicht nur bilden, sondern steuern und integrieren.
  5. Zukunftsorientierung und Berufsidentität
    Für die Pflegeinformatik heißt das auch: Die Profession Pflege wird sichtbarer – auch als Akteurin im Digitalisierungsprozess. Dies schafft Handlungsspielräume und Anforderungen: Welche Systeme unterstützen Pflegefachpersonen? Wie werden digitale Werkzeuge partizipativ entwickelt? Wie wird Pflegearbeit digital abgebildet und gewürdigt?

die vielschichtige Rolle der Pflegeinformatik (created by Napkin)

 

Herausforderungen und Ansatzpunkte

Die neue Definition bietet Orientierung – die Umsetzung bleibt eine Aufgabe. Mögliche Handlungsfelder sind:

  • Bildung und Qualifikation: Curricula müssen digitale, systemische und methodische Kompetenzen abbilden.
  • Standardisierung & Interoperabilität: Dokumentations- und Informationssysteme müssen Pflegeprozesse der erweiterten Definition gerecht werden.
  • Partizipation der Pflegefachpersonen: Bei der Gestaltung digitaler Systeme ist die aktive Einbindung entscheidend, damit Technik mit Praxis vereinbar wird.
  • Governance & Politik: Sichtbarkeit der Pflege und Datenstrategie benötigen Unterstützung auf Organisations- und Politik­ebene.
  • Evidenz & Evaluation: Wenn Pflege stärker auch Forschung und Qualität umfasst, braucht es Dateninfrastruktur und Analysen – Pflegeinformatik kann hier Brücken bauen.

 

Fazit

Die neue Definition der ICN markiert einen Meilenstein: Pflege wird global neu verortet – als autonome, wissensbasierte, systemrelevante Profession mit digitaler und gesellschaftlicher Verantwortung. Für die Pflegeinformatik bedeutet das: Es geht nicht mehr „nur“ um Technik, sondern um Gestaltung, Daten, Werte und Wirkung. Wenn digitale Transformation erfolgreich sein soll, muss sie sich an diesem erweiterten Verständnis orientieren.

 

Weitere Quellen:

Pflegenetz

ICN

dbfk

bibliomedPflege

ÖGKV

 

*Beitrag wurde mit KI Unterstützung recherchiert und ausgearbeitet

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