Digitale Systeme – echte Wirkung
Digitale Systeme sollen den Arbeitsalltag im Gesundheitswesen erleichtern, Prozesse optimieren und die Versorgungsqualität steigern. Doch viele Kliniken stehen vor der gleichen Herausforderung: Wie lässt sich der tatsächliche Nutzen einer Software für das Klinikpersonal objektiv und anwenderorientiert bewerten?
Genau hier setzt das Analyseinstrument IMHIS – Impact Monitor for Health Information Systems an, entwickelt und beschrieben im Buch „Digitale Systeme – echte Wirkung: Was das Klinikpersonal wirklich braucht“ von Florian Eisold (2025)
Ausgangslage: Warum neue Bewertungsinstrumente notwendig sind
IMHIS soll ein gemeinsames Verständnis schaffen, wie digitale Systeme im klinischen Umfeld wirken – und wie sie gestaltet sein müssen, um echten Mehrwert zu liefern. Damit ist es ein relevantes Instrument für Pflegemanagement, Pflegeinformatik und digitale Transformationsprojekte.
Die digitale Transformation im Gesundheitswesen schreitet voran, doch ein Kernproblem bleibt:
Viele Systeme sind technisch vorhanden, werden aber im Alltag nicht so genutzt, wie es geplant war. Gründe sind unter anderem:
- komplexe Workflows
- fehlende User Experience
- mangelnde Passung zwischen Software und klinischer Realität
- keine zielgerichtete Einbindung der Pflegekräfte
- unzureichende Evaluation der Wirksamkeit
Während ökonomische oder technische Kennzahlen oft erhoben werden, bleiben Nutzerperspektive und Wirkung auf Arbeitsprozesse häufig unbeleuchtet.
Genau dafür wurde IMHIS entwickelt – um die Perspektive des Klinikpersonals strukturiert sichtbar zu machen.
Was ist IMHIS?
IMHIS steht für Impact Monitor for Health Information Systems und ist ein wissenschaftlich fundiertes Analyse- und Bewertungsinstrument.
Es wurde entwickelt, um klinische Informationssysteme aus Sicht der tatsächlichen Nutzerinnen und Nutzer – insbesondere Pflegekräften – zu evaluieren.
Das Instrument baut u. a. auf anerkannten Modellen wie dem DeLone & McLean IS Success Model auf, das Dimensionen wie Systemqualität, Informationsqualität und Zufriedenheit einbezieht.
IMHIS erweitert dieses Grundmodell um klinische Spezifika und erhebt u. a.:
- Nutzerfreundlichkeit & Bedienbarkeit
- Prozesspassung und Workflow-Unterstützung
- Sicherheit & Zuverlässigkeit
- interprofessionelle Zusammenarbeit
- wahrgenommene Wirksamkeit im Arbeitsalltag
- Auswirkungen auf Ergebnisqualität
Die Besonderheit:
IMHIS misst Wirkung – also nicht nur, ob ein System funktioniert, sondern was es im Arbeitsalltag verändert.
Aufbau und Funktionsweise des Analyseinstruments
IMHIS besteht aus einem mehrdimensionalen, strukturierten Fragebogen mit mehreren Skalen.
Die Fragen richten sich explizit an klinisches Personal, das das jeweilige System täglich nutzt.
Die Dimensionen beinhalten ua.:
- Systemqualität (Zuverlässigkeit, Stabilität, Geschwindigkeit)
- Informationsqualität (Relevanz, Vollständigkeit, Verständlichkeit)
- Servicequalität (Support, Schulung, Verfügbarkeit)
- Nutzerzufriedenheit
- individuelle Wirkung (z. B. Arbeitsentlastung)
- Team-Wirkung (z. B. bessere Abstimmung)
- organisationale Wirkung (z. B. Prozessqualität)
- Patient:innen-Wirkung (z. B. verbesserte Versorgungssicherheit)
Neben quantitativen Daten werden offene Rückmeldungen analysiert, um echte Bedarfe und Barrieren sichtbar zu machen.
Durch standardisierte Skalen können Systeme vergleichbar bewertet werden — sowohl innerhalb einer Einrichtung als auch zwischen Projekten.
Warum IMHIS relevant ist
IMHIS bietet für das Pflegemanagement und die Pflegeinformatik einen entscheidenden Mehrwert, weil es die tatsächliche Wirkung digitaler Systeme im Versorgungsalltag messbar macht. Anders als klassische Evaluationsmodelle, die sich stark auf technische Leistungsparameter oder ökonomische Kennzahlen konzentrieren, richtet IMHIS den Blick bewusst auf die Perspektive der Anwender:innen. Für das Pflegemanagement bedeutet dies, besser nachvollziehen zu können, wie digitale Lösungen Arbeitsprozesse unterstützen, welche Entlastungspotenziale tatsächlich ankommen und wo Barrieren bestehen. Gleichzeitig stärkt IMHIS die Rolle der Pflegeinformatik, indem es datenbasiert aufzeigt, wie Systemqualität, Usability, Informationsqualität und interprofessionelle Zusammenarbeit zusammenwirken. Auf dieser Grundlage lassen sich Beschaffungsentscheidungen fundierter treffen, Schulungs- und Change-Management-Maßnahmen gezielt planen und Verbesserungen konsequent verfolgen. Indem IMHIS sowohl individuelle als auch team- und organisationsbezogene Wirkungen einbezieht, unterstützt es eine ganzheitliche Sicht auf Digitalisierung und fördert den Dialog zwischen Pflege, IT und Management. Damit wird das Instrument zu einem zentralen Baustein für evidenzbasierte Digitalisierungsstrategien im Gesundheitswesen.
Anwendung in der Praxis
In der praktischen Umsetzung folgt IMHIS einem klar strukturierten Prozess, der darauf abzielt, digitale Systeme aus Sicht der Anwender:innen realitätsnah zu bewerten. Zu Beginn werden Zielsetzung, Anwendungsbereich und beteiligte Nutzergruppen definiert, bevor das klinische Personal mithilfe eines standardisierten Fragebogens befragt wird. Die Befragung erfolgt anonym und digital, sodass authentische Rückmeldungen zur Systemqualität, Informationsqualität, Usability und wahrgenommenen Wirkung erfasst werden können. Anschließend werden die Ergebnisse statistisch ausgewertet und in leicht verständlichen Profilen aufbereitet, die auf einen Blick zeigen, welche Aspekte eines Systems gut funktionieren und wo Herausforderungen bestehen. Besonders wirkungsvoll ist die anschließende gemeinsame Reflexion der Ergebnisse mit den Nutzer:innen, die meist in Form von Workshops stattfindet. In diesem Schritt werden die quantitative Analyse und die praktischen Erfahrungen der Mitarbeitenden zusammengeführt, um konkrete Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten. Diese können technische Anpassungen, Prozessoptimierungen oder gezielte Schulungen umfassen. Durch ein erneutes Monitoring zu einem späteren Zeitpunkt lässt sich nachvollziehen, ob die Maßnahmen Wirkung zeigen. Auf diese Weise wird IMHIS zu einem kontinuierlichen Instrument der Qualitätsentwicklung, das nicht nur Defizite identifiziert, sondern aktiv zur Weiterentwicklung digitaler Systeme im klinischen Alltag beiträgt. Damit wird IMHIS nicht nur zum Analyse-, sondern auch zum Steuerungsinstrument.
Fazit
IMHIS ist ein bedeutendes Werkzeug für Einrichtungen, die digitale Systeme nachhaltig und anwenderorientiert gestalten wollen.
Es verbindet wissenschaftliche Methodik mit pragmatischer Anwendbarkeit und stärkt eine zentrale Botschaft aus dem Buch: Digitale Systeme erzeugen nur dann echte Wirkung, wenn sie das unterstützen, was Klinikpersonal wirklich braucht.
Für Pflegemanagement und Pflegeinformatik bietet IMHIS einen strukturierten Weg, Digitalisierung nicht nur einzuführen, sondern erfolgreich zu gestalten.
*Beitrag wurde mit KI Unterstützung recherchiert und zusammengefasst

